Ipreo in the News
December 2010
Die erfolgsorientierte Vergütung von Aufsichtsräten ist ein Diskussions punkt für ausländische Investoren
Interview mit Angelika Horstmeier, Director Global Corporate Advisor Services, Ipreo LLC
Ipreo berät Unternehmen bei der Vorbereitung ihrer Hauptversammlungen, in denen Corporate-Governance-Themen in letzter Zeit immer stärker in den Fokus rückten. Im Interview mit dem GoingPublic Magazin berichtet Angelika Horstmeier über ihre Erfahrungen mit der zurückliegenden HV-Saison und ihre Erwartungen zum Abstimmungsverhalten von Investoren bei kommenden Aktionärstreffen.
GoingPublic: Frau Horstmeier, durch das VorstAG und neue Empfehlungen für die Besetzung von Führungsgremien gewannen Corporate-Governance-Themen in der vergangenen HV-Saison an Bedeutung. Wird sich diese Entwicklung auch im nächsten Jahr fortsetzen?
Horstmeier: Absolut, vor allem die internationalen Investoren haben in der Hauptversammlungs-Saison 2010 verschärft auf die Zusammensetzung der Führungsgremien geachtet und werden ihre Richtlinien und ihr Abstimmungs verhalten noch weiter vertiefen.
GoingPublic: Bei der Vorstandsvergütung kam es in Deutschland nur in ganz wenigen Fällen zu knappen Entscheidungen oder gar zur Ablehnung des vorgeschlagenen Modells. Rechnen Sie hier mit mehr Konflikten in der Zukunft?
Horstmeier: Als erstes muss man hier sagen, dass 2010 der Großteil der DAX-Unternehmen die Vorstandsvergütung auf der Tagesordnung hatte und die Aktionäre darüber abstimmen kon nten. Im Gegensatz dazu haben viele MDAX-Unternehmen davon abgesehen, das Thema aufzunehmen. Wir haben mit unseren Kunden, die erstmalig das Thema mit auf die Tagesordnung genommen haben, die Erfahrung gemacht, dass man sich hier sehr gut vorbereitet hat. Nicht nur das Thema Say on Pay wurde gründlich analysiert, um dann entsprechend den Tagesordnungspunkt zu formulieren, sondern es wurde auch mit Peers und Investoren weit im Vorfeld über das Abstimmungsverhalten und die -richtlinien gesprochen. Ich rechne nicht mit grö - ßeren Konflikten, solange die Unternehmen sich rechtzeitig mit dem Thema sowie mit den Ansprüchen ihrer Aktionäre auseinandersetzen.
GoingPublic: In welche Richtung tendierten Ihre Auftraggeber in Sachen Say on Pay?
Horstmeier: Einige unserer Kunden hatten das Thema in ihre Roadshow-Materialien für ihre direkten Investorengespräche eingebaut und dann vor Ort angesprochen. An dere ließen durch uns eine detaillierte Analyse der Richtlinien ihrer Investoren aufstellen, um sich im Voraus darüber zu informieren, auf welche Details und Aspekte ihre Investoren achten. Der Großteil unserer Kunden hatte dieses Jahr über die Vorstandsvergütung abstimmen lassen.
GoingPublic: Einige institutionelle Investoren haben angekündigt, 2011 neben der Vorstands- vermehrt die Aufsichtsratsvergütung auf der Hauptversammlung anzusprechen. Sind dies Einzelfälle, oder wird das Thema die kommende HV-Saison bestimmen?
Horstmeier: Wir trennen hier zwischen inländischen und ausländischen Investoren. Die Agenda und kritische Themen der ausländischen Investoren unterscheiden sich oft stark von denen der inländischen. Ein Diskussionspunkt für die ausländischen Investoren ist die erfolgsorientierte Vergütung von Aufsichtsräten. Da der Aufsichtsrat als unabhängiges Organ klassifiziert ist, ist es schwer nachzuvollziehen, dass eine erfolgsabhängige Vergütung zur Unabhängigkeit beiträgt. Von den ausländischen Investoren wurde das Thema der gesamten Vergütung auf der Tagesordnung bisher nicht verstärkt angemerkt. Vor allem deutsche Unternehmen wurden dafür gelobt, dass die Vorstandsvergütung mit auf die Tagesordnung genommen wurde und wie dieses Thema in der Investor-Relations-Kommunikation angegangen worden ist. Da es im Ausland weniger die "two tier board"-, sondern hauptsächlich die "one tier board"-Struktur gibt, ist dieses Thema zwar interessant, aber nicht als Hauptthema zu betrachten.
GoingPublic: Neben der Vergütung trat auch das Thema "Diversity" verstärkt bei Hauptversammlungen in den Vor dergrund. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?
Horstmeier: Dieses Thema wird auf internationaler Ebene sehr stark diskutiert. Es gibt hier verschiedene Kriterien, die Repräsentanz von Frauen im Vorstand und Aufsichtsrat, die Unabhängigkeit des Aufsichtsrates, die Kompetenz der einzelnen Kandidaten bei Wahlen etc. Investoren haben bisher hauptsächlich Richtlinien für die Unabhängigkeit des Aufsichtsrates. Wir sehen hier Trends, dass diese Richtlinien für die HV Saison 2011 verschärft und vermehrt eingesetzt werden.
GoingPublic: Ein wichtigen Beitrag zur Corporate Governance leistet nach Meinung vieler auch der britische Stewardship Code als Leitlinie für gute Investoren. U.a. hat sich auch die DSW diesem unterworfen. Wie beurteilen Sie einheitliche Vorgaben?
Horstmeier: Diese Vorgaben wie zum Beispiel der Stewardship Code sind meiner Meinung nach sehr hilfreich, jedoch ist abzuwarten, wie sehr er auf internationaler Ebene greifen wird. Der Code greift momentan für UK-Investoren, die bei UK-Unternehmen investiert sind, und beinhaltet eine Empfehlung, dass Investoren dem Code für ihre internationalen Investments so gut wie möglich folgen sollen. Ein Code, der auf EU-Ebene zur Vorgabe für Investoren in der Region gilt, würde hier eine andere Bedeutung bekommen und vor allem Cross Border Voting vereinfachen sowie einheitlicher machen. Leider sehen wir in unserem täglichen Geschäft immer noch Investoren von nicht unwichtiger Größe, die für ihre Bestände einfach nicht bei einer deutschen Hauptversammlung abstimmen.
GoingPublic: Frau Horstmeier, vielen Dank für das interessante Interview.
Das Interview führte Oliver Bönig.




